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Viktor Orbáns Interview in der Sendung „Guten Morgen Ungarn” von Radio Kossuth

Katalin Nagy: Von der Sitzung des Operativen Stabes kommend ist Ministerpräsident Viktor Orbán im Studio angekommen. Guten Morgen! Was waren die wichtigsten Entscheidungen, die jetzt getroffen werden mussten?

Ich wünsche allen Zuhörern einen guten Morgen! Die wichtigste Entscheidung war, dass die heute gültigen Beschränkungen in unveränderter Form bestehen bleiben, angefangen mit dem Montag sicherlich noch mindestens für eine Woche. Der Grund dafür ist, sagten heute Früh die Experten, dass die dritte Welle Rekorde aufstellt. Wir befinden uns in der dritten Welle der Epidemie. Gestorben sind – wie ich das jetzt aus dem Bericht zitieren kann, den ich heute Morgen erhalten habe – 213 unserer Landsleute, auch in den Krankenhäusern sind viele Menschen, mehr als jemals zuvor. Ohne Beatmung sind dort mehr als 9 tausend Patienten und weitere 1.174 Menschen sind an Beatmungsgeräte angeschlossen, das sind die frischesten Zahlen, und die Experten des Seuchenschutzes sagen, dies sei nicht der Augenblick, in dem man die gültigen Beschränkungen lockern könnte. Die erste Frage war, ob unsere Krankenhäuser diese Belastung aushalten, an diesem Punkt überblicken wir auf der Sitzung des Operativen Stabes immer die Kapazitäten. Der Operative Stab kommt im Innenministerium zusammen, das „Überblicken“ bedeutet, dass wir uns Berichte anhören, in ziemlich strammer, polizeilicher Diktion. Dort habe ich heute hören können, dass wir noch reichlich über freie Betten verfügen und auch freie Betten mit Beatmungsgeräten haben, wie ich bereits sagte, sind jetzt an die Beatmungsgeräte mehr als tausend Menschen, 1.174, angeschlossen, aber wir verfügen noch über 1.618 solcher Betten, wir haben also noch nicht einmal die Hälfte der Kapazitäten erreicht. COVID-Betten ohne Beatmungsgeräte haben wir auch mehr als zehntausend, wir haben beinahe elftausend Betten. Es sind also bedeutende Kapazitäten. Die Frage ist immer, ob es genügend Ärzte und Pfleger gibt, die diese im Betrieb halten können. Am Wochenende hatte ich auch zwei Videokonferenzen, am Sonntag und am Montag mit den Krankenhausdirektoren. Sie haben wir unlängst ernannt, die Mehrheit von ihnen sind neue Krankenhausdirektoren, doch haben sie auch zuvor in Leitungsstellen gearbeitet, wir haben uns die Berichte über die Bettenzahl, die Zahl der Arbeitenden usw. angehört. Die Sache war beruhigend, schade dass sie nicht das ganze Land anhören konnte, denn da hätten die Menschen sehen können, dass es sich hier um sehr seriöse Leute handelt, also unsere Krankenhausdirektoren sind erfahrene, gut ausgebildete Menschen, es gibt keine „Greenhorns“ unter ihnen. Es stehen also alle unsere Komitatskrankenhäuser und die ihnen unterstellten weiteren unserer Krankenhäuser unter sicherer Leitung. Ein jedes hat Sorgen, es gibt also unter ihnen kein einziges, dem es nicht an irgendetwas fehlen würde, denn ob Krankenschwestern oder Ärzte oder schlecht platzierte, räumlich schlecht platzierte Intensivstationen, ein jeder hat Probleme, ein jeder muss arbeiten, aber es war allen anzusehen, dass sie diese Probleme werden beheben können, sicherlich mit zentraler Unterstützung. So stehen wir in diesem Moment.

Kommen auch die Absolventen der medizinischen Universität, wenn man sie ruft?

Die Situation ist die, dass wir die niedergelassenen Ärzte und die frischen Absolventen, die sich auf ihren Beruf vorbereiten, sie sind die Lehrlinge, diese haben wir zum größten Teil bereits geimpft, und haben sie schon beordert. Die Absolventen, die Studenten der Medizin kommen jetzt bei der Impfung an die Reihe, und danach – jetzt gibt es dafür bereits auch schon eine rechtliche Grundlage – stehen sie, soweit ich das sehe, in ihrem Herzen und auch seelisch bereit, um zu gehen, wenn es notwendig werden sollte. Heute war ja die wichtigste Frage der Sitzung des Operativen Stabes, dass wir verstanden, ob wir von der Zunahme der Zahl der Impfungen die Zurückdrängung der Epidemie erhoffen können, denn weitere einschränkende Maßnahmen würde Ungarn nur noch sehr schwer ertragen. Auch die Familien stecken in Problemen, dort, wo die Kinder zu Hause bleiben mussten, war das eine Sache, die die Menschen auf die Probe stellte. Mehrere Kinder zu Hause, im Kindergartenalter oder eventuell Volksschüler, die am digitalen Unterricht teilnehmen müssen – das sage ich Ihnen hier am richtigen Ort –, das stellt also die Familien auf die Probe. Wir können also nur mit Anerkennung über sie sprechen, und ich bitte sie, diese gesamte Verteidigung gegen die Epidemie zu unterstützen, da die Chancen gut stehen, dass wir die Schulen werden wieder eröffnen können. Auch die Jugendlichen sind, soweit ich das sehe, in einer ziemlich schwierigen Verfassung. Wir haben ja jetzt auch ziemlich viele junge Kranke. Heute habe ich von den Experten eine interessante Meinung gehört, dass es einen Zusammenhang zwischen der Erkrankung und dem schweren Verlauf der Krankheit gibt sowie zwischen dem Verdacht auf Diabetes und Übergewicht, das sollte uns allen eine Warnung sein. Die Jugendlichen kommen also in die Krankenhäuser, aber die meisten von ihnen langweilt diese Situation, sie möchten also wieder freikommen – ihnen kann ich sagen: „Seien Sie geduldig, unterstützen Sie die Verteidigung, und die Chancen stehen gut dafür, dass wir einen freien Sommer haben werden.“ Die dritte Gruppe, der ich ansehe, dass sie in einer schwierigen Situation stecken, das sind die Klein- und mittleren Unternehmen, ich konsultiere regelmäßig mit der Kammer, und ich sehe, dass die im Dienstleistungssektor Arbeitenden in der schwierigsten Situation sind. Die Schönheitsindustrie, die Friseure, die Ladenbesitzer, die jetzt ihr Geschäft schließen mussten, haben den Eindruck, dass die großen Kaufhäuser, obwohl diese nur Lebensmittel verkaufen dürften, trotzdem auch solche Abteilungen geöffnet lassen, die nichts mit Lebensmitteln zu tun haben, und deshalb haben sie das Gefühl, sie würden ausgetrickst, und ich glaube, sie haben auch Recht damit, auch sie befinden sich in einer sehr schwierigen Lage, wir versuchen ihnen eine Lohnunterstützung und einen schnellen Kredit zum Neustart zu geben, doch ist die Lage schwierig, ich bitte sie, durchzuhalten. Wenn wir die Wirtschaft neu starten können – und vertrauen Sie uns, vertrauen Sie auch mir, wir werden dann die Wirtschaft neu starten, dann wird das folgende Wirtschaftsjahr stark sein und Fülle mit sich bringen, nur bis dahin müssen wir alle durchhalten. Jetzt ist auf der heutigen Sitzung des Operativen Stabes noch eine wichtige Entscheidung getroffen worden. Wir sehen ja, dass die steigende Zahl der Impfungen das wichtigste Instrument der Verteidigung darstellt. Das müssen sich die Zuhörer so vorstellen, dass wir jede Woche vier- bis fünfmal so viele Menschen impfen wie Leute krank werden. Sagen wir in der letzten Woche bedeutete dies, dass wir 293 tausend Menschen geimpft haben, die die erste Impfung erhielten, und in der Zwischenzeit erkrankten 58 tausend Menschen. Je mehr Menschen wir also impfen, umso mehr wird die Zahl der neu Erkrankten abnehmen, nur muss dazu schnell geimpft werden, und dazu ist natürlich Impfstoff nötig. Wir haben die Nationale Konsultation abgeschlossen, wir haben die Antworten auf die gestellten Fragen, und heute habe ich den Operativen Stab gebeten, den Plan für den Neustart anzufertigen. Und im Mittelpunkt des Plans zum Neustart soll, da die Impfung das Schlüsselelement darstellt, dies stehen, also die Zahl der Geimpften. Wir brauchen einen Impfplan, der klar aussagt, was geschehen wird, wenn die Zahl der Geimpften, sagen wir, die 2,5 Millionen, die 3 Millionen, die 3,5 Millionen, die 4 Millionen erreicht haben wird. Die Konsultation sagte, man könne nur schrittweise öffnen, dem stimme ich selbst zu. Doch muss man die Schritte der Öffnung, der Neuöffnung an die Zahl der Geimpften binden, so ein Plan wird bald fertig sein. Die Frage ist, wann der Neustart beginnt, was der erste mögliche Zeitpunkt ist. Ich kann den Zuhörern kein Datum nennen, ich kann nur sagen, dass wir dann die ersten Schritte des Neustarts unternehmen können, wenn alle Menschen über 65 Jahren, die sich registriert haben, geimpft worden sind. An diesen Punkt werden wir laut unseren Berechnungen – obwohl es immer wieder neue sich registrierende Personen gibt, das ist eine dynamische Situation, es gibt also niemals eine endgültige Zahl – dann angekommen sein, wenn die Zahl der Geimpften die 2,5 Millionen erreicht, da werden wir dort angekommen sein, dass alle Menschen im Alter von über 65 Jahren, die sich registriert haben, geimpft sein werden. Das wird der Moment sein, in dem wir in Abhängigkeit davon, wie sich die Zahl der Impfungen gestalten wird, mit dem Neustart beginnen können.

Doch wird es am kommenden Monat erneut eine Festlegung dessen geben, wie wir uns auf die Karwoche werden vorbereiten können? Denn in zwei Wochen ist Ostern.

Es wäre vielleicht einfacher gewesen, jetzt nicht über eine, sondern über zwei Wochen zu entscheiden. Aber ich beobachte die Nachbarländer, ich bin auch nach Israel gefahren, wo man die ganze Sache am besten macht, um mir anzuschauen, was wie gemacht wird, im Laufe einer Woche kann sich viel verändern, deshalb haben wir nur für eine Woche eine Entscheidung getroffen, und wir werden sehen, was es in einer Woche gibt. Hinzu kommt ja noch, dass Ostern ein besonders riskanter Zeitpunkt ist, denn die Verbreitung der Infektion, die der Epidemie hängt mit der Zahl der Treffen und Kontakte zusammen. Ostern ist Ostern, wieder macht sich das ganze Land auf den Weg, jeder besucht jeden, die Mädchen, die Frauen werden entsprechend der traditionellen Osterbräuche besprüht. Die Situation ist die, dass Ostern einen gesonderten Umgang hinsichtlich des Seuchenschutzes erfordert, deshalb haben wir jetzt nur über eine Woche entschieden. Nächste Woche, wenn das der liebe Gott zulässt und wir noch leben, dann komme ich und werde erzählen, was für die Karwoche gilt.

Wann werden wir die 2,5 Millionen geimpfter Menschen erreicht haben? Wir rechnen die Experten? Übrigens sagte der eine Virologe, vielleicht war es Miklós Rusvai, dass er auch mit mindestens anderthalb Millionen Menschen zählt, die die Krankheit bereits durchgemacht haben, man könne also auch sie zu dieser Zahl hinzuaddieren, wenn wir schon die Herdenimmunität als Ziel setzen.

Betrachten wir die Zahlen. Ich kann Ihnen sagen, dass die Zahl der geimpften Menschen am heutigen Tag die Zahl von anderthalb Millionen übersteigen wird. Davon beträgt die Zahl derjenigen, die über einen Impfpass verfügen und die ihren Ausweis auch bereits erhalten haben, 1 Million 260 tausend 704. Dies ist aus dem Grund wichtig, da 65 Prozent der an der Nationalen Konsultation Teilnehmenden gesagt hatten, die schrittweise Öffnung bedeute, dass jene, die über einen Ausweis darüber verfügen, dass sie geschützt sind, bereits von bestimmten Beschränkungen, Einschränkungen befreit werden können. Dies bedeutet, wenn 1 Million 260 tausend Menschen bereits ihren Ausweis besitzen und wir schon 1,5 Millionen Menschen geimpft haben, und wir haben auch ein Verzeichnis der früher auf Grund von PCR-Tests als infiziert Eingeordneten, das sind noch einmal eine halbe Million Menschen, dann können wir sagen, dass wir im Großen und Ganzen wenn wir bereits die anderthalb Millionen erreichen, wir dann auf dokumentierte Weise 2 Millionen geschützte Menschen haben. Hier kommt das, was Sie gesagt haben, wie viele Menschen es wohl geben mag, die die Krankheit auf die Weise durchgemacht haben, dass sie keinen PCR-Test gemacht, nicht ins Krankenhaus gegangen sind, sondern sie einfach nur durchgemacht haben. Hierfür haben wir ja einen dritten Kanal geöffnet, das heißt einen Kanal, über den man an einen Ausweis kommen kann, der bestätigt, dass man geschützt ist. Wenn jemand das Gefühl hat, er habe die Krankheit überstanden, dann kann er in ein Labor gehen, dort wird er untersucht, dort erhält er eine Bestätigung, und wenn er die Krankheit durchgemacht hat, dann stellen wir auch ihm einen Ausweis über den Schutz aus, obwohl er jetzt noch nicht geimpft worden ist und auch nicht auf der Liste der 500 tausend Menschen steht, die einen PCR-Test gemacht haben. Das ist also die dritte Möglichkeit, um an ein Dokument zu gelangen, das den Schutz bestätigt. Dies würde ich auch einem jeden empfehlen, denn in unserem Plan des Öffnens, des Neustartes wird es laut der Konsultation einen Zeitraum geben, in dem bestimmte Dienstleistungen nur von denen in Anspruch genommen werden können, die einen Ausweis über den Schutz besitzen.

Jetzt ist ja wieder von AstraZeneca und Moderna Impfstoff angekommen, aber weniger als die Menge, mit der wir gerechnet hatten. Zugleich haben wir gestern davon gehört, dass in Pestszentlőrinc der der DK angehörende Bürgermeister, Sándor Szaniszló, auf seiner Socialmedia-Seite schrieb, man hätte einige hundert Dosen des chinesischen Impfstoffs zurückgeschickt, da sie die Bevölkerung nicht in Anspruch genommen hatte. Eine andere Frage ist dabei, dass innerhalb kürzester Zeit mehrere wütende Kommentare fragten, wen man denn gefragt hätte, denn man würde den Impfstoff selbst akzeptieren. Wie sehen Sie also diesen Widerspruch, der darin besteht, dass ein jeder weiß oder wissen müsste, dass die Impfung die einzige Lösung ist, trotzdem gibt es Menschen, die gegen sie arbeiten?

Reden wir dann zuerst über diese Erscheinung. Ich bitte die Familien, durchzuhalten, die Unternehmer, diese wenigen Wochen irgendwie auszuhalten, ich bitte auch die Jugendlichen, noch einige Wochen Geduld zu zeigen. Die Opposition können wir nur darum bitten, die Linke könnte dadurch am besten zur Verteidigung beitragen, wenn sie ihre gegen die Impfung gerichtete Kampagne einstellen würde. Denn aus den zuvor angeführten Zahlen ist auch ersichtlich, dass so, wie die Zahl der Geimpften ansteigt, so nimmt auch die Zahl der Kranken ab, und so werden auch immer weniger Menschen sterben. Wer gegen die Impfung ist, der riskiert das Leben unserer Landsleute, und deshalb habe ich die linke Opposition diese Woche im Parlament im Rahmen aller meiner möglichen Wortmeldungen darum gebeten, mit der gegen die Impfung gerichteten Kampagne aufzuhören. Ich weiß, es ist merkwürdig, wenn die Opposition oder die Linke ruhig ist, die normale Natur der Politik ist anders, aber wenn sie jetzt ein bisschen mit der gegen die Impfung gerichteten Kampagne aufhörten und schwiegen, würden sie dem Land sehr viel helfen. Natürlich können wir das nicht als Befehl aussprechen, denn es herrscht ja Demokratie. Wenn sie sie fortsetzen, dann setzen sie sie fort. Na, jetzt zu den Impfstoffen. Es ist tatsächlich eine niederschmetternde Nachricht, die wir in der vergangenen Woche über AstraZeneca erhalten haben… Die Einkäufe, ich wiederhole es, macht Brüssel, es bestellt und verteilt…

Verzeihen Sie, aber ist das wirklich so? Denn gestern sagte einer der Sprecher der EU auf die Frage eines Journalisten, dass die Impfstoffe von den Mitgliedsstaaten der EU bei den die Impfstoffe herstellenden Firmen bestellt worden sind, die Europäische Kommission spiele dabei keine Rolle. Hören wir nicht seit einem Jahr das Gegenteil davon?

Wenn wir die Verträge veröffentlichen dürften, die ich auch noch in den Sitzungssaal des Parlaments mit mir genommen habe, sie waren dort bei mir, dann könnte ein jeder lesen, wie die Beschaffung verläuft. Bei der Beschaffung spielt die Kommission eine äußerst wichtige Rolle. Denn wir haben auf das Recht der selbständigen Beschaffung verzichtet und wir haben dieses Recht der Kommission übergeben. Heute bereuen wir das schon, wie eine Hündin, die wer weiß wie viele Junge sie geworfen hat, dies getan zu haben. Ich selbst würde, wenn ich es machen könnte, meinen Kopf gegen die Wand schlagen, dass ich ihnen geglaubt und die Argumentation gemeinsam mit meinen anderen 26 Kollegen geglaubt habe, die Impfstoffbeschaffung würde schneller und besser gehen, wenn wir dies Brüssel überlassen.

Ja, aber jetzt wälzt man die Verantwortung auf Sie ab.

Ja, gut, das pflegt so zu sein, denn Sie wissen ja, der Erfolg hat viele Väter und das Fiasko ist immer eine Waise. Sie haben dies also vermasselt, das ist unsere zweite große Enttäuschung im Hinblick auf die gemeinsame europäische Politik. Die erste war ja die Migration, als die Ungarn hier standen und nicht verstanden, wie es geschehen könne, dass die Europäische Union die Migranten beinahe hereinruft, anstatt sie an der Grenze aufzuhalten. Dies ist die andere Sache, dass die EU etwas übernimmt, es ist eine Frage von Leben und Tod, sie bittet die nationalen Regierungen um die Übertragung der Befugnisse, wir übergeben sie, und danach können sie die Aufgabe nicht bewältigen. Das ist die zweite sehr ernsthafte Enttäuschung, und dies zeigt sehr gut, dass die Zeit der Nationalstaaten und der nationalen Regierungen, der nationalen Parlamente noch nicht abgelaufen ist, wir werden diese eben brauchen. Um auf das Problem zurückzukommen, es werden um 500 tausend weniger Dosen von AstraZeneca-Impfstoff in den kommenden zwei Monaten ankommen, als die Menge, die wir im Übrigen vereinbart hatten. Was kann man außer dem tun, dass man einige zischende Sätze vor sich hinmurmelt? Diese beinhalten auch stärkere, volkstümliche Ausdrücke, deshalb kann ich diese hier nicht aussprechen, aber ich bin überzeugt davon, dass in ganz Europa diese Sätze gesagt werden, wenn auch auf verschiedenen Sprachen.

Aber die Deutschen haben es doch formuliert.

Nun ja.

Sie haben das ganze einen „Scheißhaufen” genannt.

Das mache ich jetzt nicht, aber ich verstehe sie. Jedoch konsultieren wir jeden Tag mit Péter Szijjártó, wir stimmen uns ab und arbeiten, weil wir uns zum Ziel gesetzt haben, wenn wir im Laufe von zwei Monaten um 500 tausend Dosen weniger Impfstoff aus dem Westen erhalten, dann sollten wir für zwei Monate um 500 tausend Dosen mehr östlichen Impfstoff besorgen, wenn es möglich sein sollte, dann noch mehr, damit wir das Impftempo halten können. Und wir arbeiten auch daran, wir verhandeln auch schon über die bekannten Impfstoffe, und wir haben auch die Untersuchung von weiteren Impfstoffen angeordnet, die Chancen stehen also gut dafür – vor allem, wenn der Herr Außenminister nichts von seinem Schwung verliert –, dass wir den ausgefallenen AstraZeneca-Impfstoff durch chinesischen und russischen Impfstoff ersetzen können, und dann können wir entsprechend des Impfplans vorgehen.

Was sagen Sie dazu, dass man in Brüssel bereits einen Entwurf angefertigt hat, wie jener Impfpass aussehen wird? Müsste man sich nicht dann damit beschäftigen, wenn bereits Impfstoff in ausreichender Menge angekommen und vielleicht sogar verimpft worden ist?

Auch ich bin der Ansicht, dass wir jetzt von Brüssel Impfstoff erwarten und nicht Passregeln. Wenn es denn ein Pass wäre, aber darum geht es gar nicht, sondern sie beschäftigen sich mit Konzeptionen der Passregelungen. Schauen Sie, wenn jemand Europa betrachtet, dann wird er erkennen, den Kontinent hat er noch nie in einer derart schwierigen Situation gesehen und auch nicht so viele unglückliche Menschen, die Ungarn hierin mit inbegriffen. Also Isolierung, Einsamkeit, Beklemmung überall, die Ausgewogenheit ist verpufft. Der ganze Kontinent befindet sich in einem schlechten seelischen Zustand. Auch wir, Ungarn, befinden uns in einer schlechten seelischen Verfassung. Wir kämpfen meiner Ansicht nach gut, ein jeder erledigt seine Aufgaben, aber wenn man das Land betrachtet, und wenn man mit seinen Landsleuten sich unterhält, da kann man sehen, wie im Vergleich zu unserem Zustand vor einem Jahr und unserem Zustand vor dem Virus, wie das Land damals aussah, wir befinden uns jetzt also in einem seelisch mitgenommenen Zustand. Wenn wir also über den Neustart reden, da wird es natürlich einen Neustart in der Wirtschaft geben müssen, aber das Land muss auch seelisch neu gestartet werden. Man muss also die Heiterkeit, die Ausgewogenheit, den Optimismus auf die Weise wieder herstellen, dass wir zugleich Verluste haben. Verwandte von uns sind gestorben, Freunde von uns sind gestorben, sehr viele genesen noch von der Krankheit, doch muss man trotzdem versuchen, das Land seelisch in die Richtung der Heiterkeit zurückzubringen. Ich könnte auch sagen, man muss das Land wieder vereinen. Nicht nur die Wirtschaft muss neu gestartet werden, sondern Ungarn muss wieder vereinigt werden. Dies geht natürlich über die Aufgaben der Politiker hinaus, obwohl auch ich alles selbst tun werde, aber das wird zu wenig sein. Hier werden die Künstler, die Leute der Kultur, die Menschen der Seele, unsere Kirchen, hier werden alle benötigt. Unsere Gemeinschaften müssen revitalisiert werden, damit wir möglichst schnell nicht nur wirtschaftlich, sondern auch seelisch aus dieser Krise herauskommen können. Und das ist auch in ganz Europa nicht anders. Ich kann also sagen, dass Brüssel sich mit solchen Fragen beschäftigen müsste, anstatt Konzeptionen von Regelungen zu fabrizieren. Aber mein Gott, jetzt haben wir so ein Brüssel, damit kochen wir.

Um auf eine Sache noch zurückzukehren. Die oppositionellen Bürgermeister haben ja hier in der Hauptstadt und auch auf dem Land der Regierung angeboten, sie würden die Impfpunkte errichten, um damit die Impfung zu unterstützen, und es schmerzt sie, ja sie halten es für eine herablassende Haltung, dass die Regierung diese Hilfe nicht in Anspruch nimmt.

Wenn man ins Internet geht oder sich in den öffentlichen Diskurs über die Epidemie einschaltet, oder nur in diesen hineinhört, dann fühlt man sich wie in einem aufgewühlten Bienenstock. So viele verworrene, einander widersprechende tausende von Nachrichten habe ich früher noch in keiner einzigen Angelegenheit erlebt. Nicht einmal die Migration hat dieses Niveau erreicht, dabei gab es da damals auch alles. Deshalb bitte ich einen jeden, nicht auf die Fake News, Falschnachrichten, alle möglichen die Welt erlösenden oder Weltverschwörungen erklärenden Theorien hereinzufallen. Natürlich hört ein jeder auf den und glaubt dem, wem er will. Wir haben Freiheit, wir haben Demokratie, das muss so sein. Aber trotzdem bitte ich sie, selbst wenn sie persönlich mich oder zu einem bestimmten Teil die Regierung als langweilig erleben, versuchen Sie, auf uns zu hören. Sie können also sehen, ich versuche, so korrekt, so genau es möglich ist, zu sagen, wann was geschehen wird, was zu erwarten ist, was sicher und was nicht sicher ist. Ich verkaufe also nicht die Katze im Sack, ich komme also nicht jede Woche deshalb, indem ich Ihre Einladung annehme, um heitere, gute Nachrichten mit den Bürgern zu teilen, sondern um zu sagen, wie die tatsächliche Lage ist. Die tatsächliche Lage ist heute also, dass wir heute in Ungarn an vielen tausend Punkten, an Impfpunkten Impfungen verabreichen. Es gibt nicht zu wenig Impfpunkte, sondern zu wenig Impfstoff. Wenn wir dann viel Impfstoff haben werden, kann sich eine Situation ergeben, dass wir zu wenige Impfpunkte haben. Doch dafür haben wir einen Plan, wie wir mehrere tausend Impfpunkte eröffnen werden. Doch heute quält uns dieses Problem nicht. Auch ich habe solche Bemerkungen von Hausärzten bekommen. Heute impfen wir grundlegend bei den Hausärzten. Deshalb habe ich das Regierungsamt gebeten, dass wenn es Hausärzte gibt, die der Ansicht sind, ihre Praxen seien für das Impfen ungeeignet, diese aufzusuchen und zu fragen, wobei man ihnen helfen kann, damit der Hausarzt seine Aufgabe versehen kann. Denn es ist nicht notwendig, die Impfpunkte aus den Praxen der Hausärzte hinauszuführen, sondern die Praxen der Hausärzte, wenn sie nicht geeignet sind, sie dafür geeignet zu machen, damit sie die Impfungen verabreichen können. Wir haben natürlich Impfpunkte in Krankenhäusern, die sind auch in Ordnung. Wenn die Menge des Impfstoffs anwächst, wenn also auf einmal viel Impfstoff ankommen wird, werden wir auch die Zahl der Impfpunkte in den Krankenhäusern anheben. Und wenn auch dies nicht ausreichen sollte, so haben wir auch dafür einen Plan. Ich danke also für jedwede Hilfe, ich bin für jedes Angebot dankbar, der Operative Stab antwortet auf alles und teilt einem jeden mit, wie er auf welche Weise zur gemeinsamen Verteidigung beitragen kann.

Am 6. März ist die Fidesz-Fraktion aus der Fraktion der Volkspartei im Europäischen Parlament ausgetreten, und jetzt ist die Zeit des Abschieds gekommen, wie dies Katalin Novák schrieb, und der Fidesz ist auch aus der Partei ausgetreten. Wie bewerten Sie diesen Zeitraum, so lange der Fidesz Mitglied der Volkspartei gewesen war?

Es war gut, es war schön, es war genug. Der erste Bruch in diesem Verhältnis kann im Wesentlichen auf die Zeit der Migrationskrise angesetzt werden. Es gab auch früher Diskussionen, da wir innerhalb der Volkspartei keine eindeutige und keine einstimmige Unterstützung für die Senkung der Festkosten erhalten hatten und wir haben auch keine eindeutige Unterstützung für die Besteuerung der Banken und auch nicht für die Multisteuern erhalten, was ich verstehe, denn diese Multis sind zumeist aus ihren Ländern nach Ungarn gekommen. Als man also 2010 die Wirtschaftskrise beheben musste, da unterstützten sie uns nur halbherzig, und in der Angelegenheit der Migration haben sie uns überhaupt nicht unterstützt. Man konnte also sehen, wie die Denkweisen sich voneinander entfernt hatten. Und jetzt ist auch noch diese Pandemie über uns alle hereingebrochen, und anstatt uns und auch den anderen Regierungen bei der Verteidigung zu helfen, setzen sie stattdessen das Herumhacken fort, sie modifizieren Statuten, damit man uns in Bedrängnis bringen kann, das Ganze ist also unwürdig, absurd und nicht zielführend. Und unter solchen Umständen ist es am besten, wenn man seinen Hut nimmt. Ich stehe in Verbindung mit dem polnischen Ministerpräsidenten und in der italienischen Regierung mit Herrn Minister Salvini, der gerade jetzt für die Fragen der Wirtschaft verantwortlich ist. Und diese drei Länder, Polen, Italien und Ungarn versuchen die europäische Rechte neu zu organisieren. In dieser Angelegenheit werden wir uns auch bald sehen und gemeinsam die Zukunft planen.

Vielen Dank! Sie hörten Ministerpräsidenten Viktor Orbán.