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Viktor Orbáns Rede bei der Übergabe des neuen Fabrikgebäudes von Rheinmetall

Ich begrüße herzlich die Leiter von Rheinmetall und die Delegation der Fabrik!

Sehr geehrter Herr Präsident!

Ich begrüße herzlich die Zalaegerszeger, allen voran den Herrn Bürgermeister und den Herrn Abgeordneten, und ich begrüße alle sich Interessierenden!

Mit solcher Sicherheit sollte ich einen Volltreffer im Lotto haben. Als ich mich vor drei Jahren das erste Mal mit dem Herrn Präsidenten traf, geschah das so, wie er das erzählt hat, und ich sagte, die Sicherheit wird in diesem Jahrzehnt das wichtigste Produkt sein. Und da die ungarische Armee mit vielen Problemen zu kämpfen hat, von denen im Übrigen die neue Technologie nur einen Teil behebt, ist die wichtigste Aufgabe in diesem Jahrzehnt, dass eine Streitkraft zur Verfügung stehen soll, die in der Lage ist, Ungarn zu verteidigen, den ungarischen Interessen Geltung zu verschaffen, in Ungarn, aber wenn notwendig dann auch außerhalb, jederzeit einsetzbar ist. Das war vor drei Jahren nicht derart offensichtlich wie jetzt. Es war selbst vor zwei Monaten noch nicht derart offensichtlich wie jetzt. Deshalb sagte ich, mit solcher Sicherheit sollten wir einen Volltreffer im Lotto haben. Doch die Wahrheit ist, dass nicht ich als erster in die Kristallkugel der Zukunft geblickt habe, sondern noch vor meinem Treffen mit dem Herrn Präsidenten hat dies Herr Minister Palkovics getan, der in einem geeigneten – also aus der Perspektive des Ministerpräsidenten in einem schwachen – Moment mich mit der Idee in die Ecke drängte, es sei an der Zeit, ein neues, großes technologisches Zentrum in Ungarn zu errichten, und das solle so eine ZalaZone sein – ein bisschen Hokuspokus, ich bin Jurist –, und dies sei sehr wichtig. Und die Situation ist die, dass beide unserer heutigen Gäste zu mehr als hundert Prozent Recht hatten, sowohl der Herr Minister als auch der Herr Präsident, Ungarn benötigt tatsächlich jenes alles frühere übersteigende technologische Niveau, das zum Teil hier, in der Nachbarschaft die ZalaZone, und hier die Waffenfabrik symbolisieren oder verkörperen.

Meine sehr geehrten Damen und Herren!

Dies bedeutet nicht, dass sich die Ungarn nach dem Krieg sehnen würden. Die Ungarn wissen genau, dass der beste Krieg der ist, den es zu vermeiden gelingt. Doch wenn unsere deutschen Gäste schon hier sind, dann sage ich Ihnen, Bismarck ist hier ein populärer Staatsmann, und von Bismarck haben wir noch am Ende des 19. Jahrhunderts gelernt, dass je stärker wir sind, desto geringer ist die Chance für einen Krieg. Und der Eiserne Kanzler hat Recht gehabt: Je stärker wir sind, desto geringer ist die Chance, dass wir in einen Krieg verwickelt werden. Wenn wir also die Armee ausbauen, Bewaffnung erschaffen, Fabriken errichten, dann bereiten wir uns natürlich auf das Schlimmste vor, doch in Wirklichkeit eröffnen wir auch den Weg für eine günstige Zukunft.

Es lohnt sich an dieser Stelle vielleicht, einen Gedanken darüber auszuführen, wie es um die deutsch-ungarischen Beziehungen steht. Hin und her. Wir hoffen, dass sie jetzt glatter werden. Die politischen Verhältnisse sind kompliziert, doch die wirtschaftlichen Beziehungen sind hervorragend. Und jetzt scheint es so, dass es auch politische Unterstützung hinter der möglichst starken wirtschaftlichen Zusammenarbeit geben wird. Das ist wichtig für Ungarn. Nicht nur, weil die Deutschen stark sind, nicht nur, weil sie gute Ingenieure und Wissenschaftler sind, sondern auch deshalb, weil die Ungarn mit den Deutschen zusammenarbeiten können. Sie können nicht mit allen so gut zusammenarbeiten und auch die Deutschen können nicht mit allen so gut zusammenarbeiten. Es gibt eine glückliche kulturelle Gleichstellung, aufgrund der der Deutsche und der Ungar irgendwie in der Lage sind, gut zu kooperieren. Dies besitzt kulturelle Gründe. Wir sind jetzt auf keiner kulturanthropologischen Konferenz, also müssen wir diese Frage auch nicht in ihrer ganzen Tiefe lösen, doch ich erinnere mich noch gut daran, dass mein Vater, der ein Ingenieur ist, immer zu mir sagte, wenn Du wissen willst, ob irgendwo anständige Menschen leben, ob in einem Dorf anständige Menschen leben, dann musst Du Dir immer den Rand der Dinge ansehen, den Rand der Straße, nicht die Mitte, sondern den Rand, die Begrenzung. Wenn Du in ein Zimmer hineingehst, muss man immer das betrachten, wo die Wand auf das Parkett trifft, und wenn Du auf den Hof hinausgehst, musst Du den unteren Teil des Zauns betrachten, und wenn der in Ordnung ist, dann wohnen dort anständige Menschen. Und als ich jung war und nach Deutschland reiste, war dort nicht nur die Mitte, sondern auch immer der Rand der Dinge in Ordnung. Es gibt also eine als alltäglich erscheinende, aber tiefe kulturelle Übereinstimmung zwischen den Deutschen und den Ungarn, dass die Dinge in Ordnung sein müssen. Und nicht nur so im Großen und Ganzen, sondern vollständig in Ordnung sein müssen, nicht nur die Mitte der Dinge, sondern auch ihr Rand muss in Ordnung sein. Und es ist meine Überzeugung, dass irgendwo es diese kulturelle, anthropologische Ähnlichkeit ist, die die Grundlage dessen gibt, dass ein Ungar mit einem Deutschen kooperieren kann, und auch der Deutsche nicht das Gefühl hat, mit einem schlampigen Mitarbeiter eines schlampigen Landes kooperieren zu müssen. Es gibt hier also etwas, das diese Zusammenarbeit unterstützt.

Meine sehr geehrten Damen und Herren!

Natürlich ist es wichtig, dass wir gute Instrumente haben, doch gute Instrumente sind ohne gute Soldaten nichts wert. Also hat uns Herr Präsident Papperger vor eine sehr schwierige Herausforderung gestellt, denn das ist zum neuen Maß der ungarischen Armee geworden, hierzu muss man hinaufwachsen. Nicht durch Einkäufe, ja nicht einmal nur durch die Herstellung, ja nicht einmal mit der Entwicklung, sondern in der Qualität unserer Soldaten, in der Qualität der Geführtheit der Armee, in der Qualität unserer Ausbildung, wir brauchen also so gute Soldaten, wie gut unsere Instrumente sind. Dies ist eine große Aufgabe in den kommenden zehn Jahren für die jeweilige ungarische Regierung und für Ungarn.

Meine sehr geehrten Damen und Herren!

Wahr ist auch, dass man zuerst kauft, dann kommt man dahinter, es wäre besser, wenn man eher selbst herstellen würde. Jetzt befinden wir uns in dieser Phase. Dazu ist ein Partner notwendig. Ich spreche dem Herrn Präsidenten erneut meinen Dank aus, der uns nicht einfach Instrumente verkaufen wollte, sondern ein Partner darin war, um gemeinsam eine größere Sache zu machen. Es ist auch schön, wenn wir etwas kaufen, und dann klingelt die Kasse, doch um wie viel schöner ist es, wenn wir eine gemeinsame Produktionskapazität, Fabrik, gemeinsame Industrieprodukte erschaffen. Doch an diesem Punkt wollen wir nicht stehenbleiben – jetzt sollten wir natürlich zuerst diese Halle beenden, und die ersten Maschinen sollten vom Förderband kommen, doch in Wirklichkeit wollen wir hier nicht stehenbleiben, in den nächsten Verhandlungen mit dem Herrn Präsidenten wird es darum gehen: –, wir möchten, dass die Entwicklung, das Testen, die Ausbildung der besten Ingenieure, ja auch die Ausbildung der besten Facharbeiter gemeinsam mit unseren deutschen Freunden erfolgen würde. Wir möchten vorwärtsgehen und nicht zurück.

Meine sehr geehrten Damen und Herren!

In den vergangenen Monaten hat hinsichtlich der Zukunft Europas die deutsche Regierung auf die Wirkung des ukrainisch-russischen Krieges eine der wichtigsten Entscheidungen getroffen. Das dürfte keine einfache Entscheidung gewesen sein, denn dabei geht es um die Wiederaufrüstung Deutschlands, welches zusammengesetzte Wort lange Zeit in der europäischen Politik verboten war. Die Deutschen und Waffen: Das ist eine gefährliche Kombination, doch da der Krieg ausgebrochen ist und es klar ist, dass man den Frieden und die Sicherheit Europas ohne die Deutschen nicht garantieren kann, ist deshalb die große Veränderung geschehen, und die deutsche Rüstungsindustrie ist plötzlich von ihrem bisher vielleicht als zweitrangig angesehenen Status auch in Deutschland zu einem der wichtigsten Industriezweige geworden. Das ist die neue Realität, damit muss Europa zusammenleben, und das ist die Realität, die uns eine gewaltige Möglichkeit bietet, denn auch der Herr Präsident kann sehen, dass wir nicht in dem Moment an der Tür geklopft haben, als plötzlich die Dinge gut zu laufen begannen. Wir haben nicht dann den Kooperationsvertrag abgeschlossen, als sich der Stern von Rheinmetall plötzlich in den Himmel erhob und jetzt schon ein jeder der Freund des seriösen Akteurs der Rüstungsindustrie sein möchte. Unsere Kooperation begann, als der Industriezweig noch eher ein tolerierter Industriezweig war, also nicht im besten, sonnigen Wetter haben wir die Kooperation miteinander abgeschlossen, sondern im regnerischen, windigen Wetter, und das gibt uns die besten Chancen dafür, dass unsere Kooperation anhaltend sein und alle möglichen Stürme aushalten soll – denn darin können Sie sich sicher sein, Europa stehen in den kommenden zehn Jahren noch einige Stürme bevor.

Ich möchte allen danken, deren Arbeit es ermöglicht hat, dass wir heute hier stehen können, in erster Linie unseren deutschen Partnern, den Vertretern der ungarischen Regierung, den Planern, den Ausführenden, den Arbeitern, sowohl den Facharbeitern als auch den Hilfsarbeitern. Ich danke der Stadt Zalaegerszeg dafür, dass sie eine gute Heimstatt und ein guter Gastgeber für diese Investition ist. Ich danke meinem Mitabgeordneten, dem Parlamentsabgeordneten László Vigh für seine hervorragende Arbeit, mit der er dazu beitrug, dass wir heute hier stehen können. Ich wünsche uns allen viel Erfolg, viel Erfolg für Zalaegerszeg, viel Erfolg für Rheinmetall, und viel Erfolg für Ungarn! Und nicht dass Sie mir in der nächsten Woche am Sonntag zu Hause bleiben.

Ich danke Ihnen, dass Sie mich angehört haben!