- miniszterelnok.hu - https://www.miniszterelnok.hu/viktor-orbans-interview-in-der-sendung-guten-morgen-ungarn-von-radio-kossuth-59/ -

Viktor Orbáns Interview in der Sendung „Guten Morgen Ungarn” von Radio Kossuth

Katalin Nagy: Im Laufe der Woche ist die Zahl der täglich Infizierten ein bisschen zurückgegangen, jedoch die der Verstorbenen nicht. Alle Fachleute des Gesundheitswesens mahnen uns zur Vorsicht. Ich begrüße im Studio Ministerpräsident Viktor Orbán, der von der Sitzung des Operativen Stabes gekommen ist. Wie lauten die frischesten Zahlen? Was zeigen sie?

Die Experten haben damit Recht – guten Morgen –, dass sie den Akzent auf die Sicherheit setzen, besonders so, am Vorabend von Ostern, am Karfreitag ist das so, denn in dieser Zeit machen sich die Menschen auf den Weg, sie besuchen einander, es erfolgt das traditionelle österliche Begießen, es gibt familiäre Zusammenkünfte, so pflegt das in Friedenszeiten zu sein. Hiervon müssten wir jetzt zu Ostern etwas zurücknehmen, denn wenn wir nicht jene Beschränkungen einhalten, die heute gültig sind, und wir diese wegen Ostern in Klammern setzen, dann kann aus Ostern auch noch ein großes Übel erwachsen, ich bitte also einen jeden, die Maske im öffentlichen Raum zu tragen, den Abstand einzuhalten. Jene, die geimpft sind, die können sich freier bewegen und die Familie besuchen, doch jene, die nicht geimpft worden sind, sollten Rücksicht auf sich und auch auf jene nehmen, die sie infizieren könnten. Ich möchte also um Vorsicht bitten. Was die Zahlen angeht, so müssen wir sie jetzt zum Glück im Verhältnis sehen, denn bisher haben wir darauf geschaut, wie viele Infizierte, wie viele Tote es gibt. Auch jetzt haben wir mehr als 260 Tote und mehr als 9.000 neue Infizierte, doch muss man das jetzt zusammen mit der Zahl der Geimpften sehen, und die Zahl der Geimpften betrug heute früh um 6 Uhr, zum Beginn der Sitzung des Operativen Stabes 2.156.680, und 863.000 die Zahl unserer Landsleute, die auch schon die zweite Impfung erhalten haben. Es gibt einen relativ klaren Fahrplan für die Lieferung der Impfstoffe, und wir verfügen über das Wissen, innerhalb von wie vielen Tagen wir die angekommenen Impfstoffe verimpfen können, und aufgrund dessen können wir bereits die Zukunft planen, und das Verhältnis zwischen den Kranken, den Verstorbenen und den zur Verfügung stehenden Impfstoffen und den geimpften Menschen wird sich im kommenden Zeitraum schön verbessern. Das sind zwei-drei Wochen, bis wir die Wende schaffen. Wir erreichen also langsam den Punkt, an dem die das Virus tötenden Impfstoffe und Impfungen auf spektakuläre Weise und spürbar ihre Wirkung auch hinsichtlich der Zahl der Toten und der Infizierten ausüben werden. Ich habe ja diesen Spickzettel, meinen kleinen Alleswisser, aus dem ich nach Wochen aufgeschlüsselt die zu erwartenden Entwicklungen sehe. Ich habe heute Früh die Meldung erhalten, dass in der mit dem 4. April zu Ende gehenden Woche, also ein-zwei Tage nach Ostern, sich die Zahl der Geimpften auf 2.356.000 belaufen wird, und eine Woche später, also in der mit dem 13. April zu Ende gehenden Woche wir die Zahl von drei Millionen Impfungen überschritten werden, was eine neue Station darstellt, und eine Woche später werden wir, wie ich das sehe, auch die 3.500.000 überschreiten. Es werden hier also die Impfungen rascher erfolgen, es kommt mehr Impfstoff an, laut der Lieferversprechen müsste auch aus dem Westen mehr ankommen. Die aus dem Osten kommen auf geregelte Weise an, bei den westlichen gibt es einen Stau, doch hofft ein jeder, gestern habe ich mit dem italienischen Politiker, dem Vorsitzenden der größten Regierungspartei und dem polnischen Ministerpräsidenten gesprochen, und sie sehen es genauso, dass ab jetzt auch die aus dem Westen kommenden Lieferungen pünktlicher ankommen werden als früher. Jene Störungen, die in den vergangenen zwei Monaten die Lieferung der westlichen Impfstoffe unberechenbar gemacht haben, werden die westlichen Hersteller vielleicht überwinden können, und dann können diese Zahlen, die ich genannt habe, eingehalten werden. Was also bedeutet – ich sage das noch einmal –, dass der 13. April der Tag sein könnte, plus-minus ein-zwei Tage, an dem wir die Zahl von drei Millionen unserer über eine erste Impfung verfügenden Landsleute überschreiten, und das ermöglicht einen weiteren Schritt, nämlich uns an unser früheres Leben anzunähern oder dazu zurückzukehren. Was wissen wir denn jetzt? Jetzt wissen wir, dass wir ein-zwei Tage nach Ostern 2,5 Millionen Landsleute haben werden, die die erste Impfung erhalten haben. Dann wird sich die Ordnung der Öffnung oder des Schließens der Geschäfte und Dienstleistungen – denn derzeit sind sie geschlossen – ändern. Die Verordnung darüber haben wir bereits veröffentlicht, es hatten also die Unternehmer, die in den Geschäften, im Dienstleistungssektor Arbeitenden mehr als zwei Wochen, um sich darauf vorzubereiten, vorsichtig, unter Einhaltung von Sicherheitsvorschriften ihre Geschäfte wieder öffnen zu können, und dann sind wir zu der Beschränkung auf der Grundlage von Quadratmetern übergegangen, also auf 10 Quadratmetern darf sich eine Person aufhalten. Es gibt einige Detailregeln – ich bitte sowohl die in den Geschäften und auch jene im Dienstleistungssektor Arbeitenden nachdrücklich, diese Regeln einzuhalten. Von hier aus werden wir den nächsten Schritt machen und den 19. April erreichen, wenn wir dann die Schulen und die Kindergärten öffnen werden, auch die Mittelschulen, und auch diese Erleichterung wird in unser Leben treten, dass wir die Kinder in den Kindergarten und die Schule bringen können und die Eltern freier planen bzw. zur Arbeit gehen können. Und dann, wenn wir die 3 Millionen, 3,5 Millionen erreicht haben werden, kommt dann der nächste Schritt, doch darüber werde ich die sehr geehrten Zuhörer nicht jetzt, sondern dann am kommenden Freitag informieren können.

Sie sagen, wenn wir 3 Millionen Menschen bereits mindestens einmal geimpft haben, dann wird das schon ein sehr bedeutender Schritt sein. Ein Teil der Gegner, das sind jene, die im Übrigen vor zwei Monaten bereits eine Öffnung haben wollten, stimmen jetzt dieser Öffnung kaum zu, sie sagen, wir sehen, wie auch in Westeuropa, in Deutschland und Frankreich die Bestimmungen verschärft werden. Kann es sein, dass sie deshalb so argumentieren, weil sie außer Acht lassen, dass es in Ungarn seit dem 11. November Schließungen gibt, und wenn wir uns das anschauen, dann sind das bis zum 11. April genau fünf Monate?

Zu Ostern und auch sonst sollten wir unseren Mitmenschen gegenüber einen guten Willen zeigen, selbst denen gegenüber, die uns angreifen, und nicht annehmen, es stünde irgendein böser Hintergedanke hinter ihren Sätzen, sondern wir sollten versuchen, ihren Standpunkt mit Verständnis aufzunehmen. Es gibt also Meinungen, die der Ansicht sind, man könne mit Schließungen das Virus aufhalten. Sie irren sich. Das erste Virus, das vor einem Jahr kam, und das die erste Welle auslöste, sowie vielleicht auch noch das Virus der zweiten Welle konnte man damit aufhalten, mit strengen Beschränkungen und Isolation. Aber diese britische, diese dritte Welle, dieses Virus neuen Typs ist anders. Wir können es mit Beschränkungen verlangsamen, aber wir können es nicht aufhalten. Das ist so eine Sache, dass wir es verlangsamen, jedoch sehen wir, wie es jeden Tag näher an uns heranrückt. Deshalb werden es die Beschränkungen und die Isolierung nicht aufhalten, es wird früher oder später auch an unserer Haustür klopfen. Man kann dies auf eine Weise verhindern, also nicht verlangsamen, sondern aufhalten, ja sogar töten, und das durch den Impfstoff selbst. Jene, die vielleicht weniger hoffnungsfroh sind, nehmen nicht zur Kenntnis, dass zahlreiche westeuropäische Länder über viel weniger Impfstoff verfügen als wir. Deshalb tun die Deutschen, Österreicher, Franzosen auch gut daran, wenn sie jetzt Beschränkungen einführen, sie befinden sich also um eine Phase hinter uns, denn sie haben keinen russischen und keinen chinesischen Impfstoff. Es gibt ja Länder, die aus dem Impfstoff eine politische Frage gemacht haben. Das ist mir nicht sympathisch, aber mein Gott, es ist ihr Land, es sind ihre führenden Politiker, es sind ihre Wähler, wenn es für sie auf diese Weise gut ist, dann sollen sie es so machen. Wir haben nicht dies gemacht, wir haben gesagt, es ist gleichgültig, ob die Katze schwarz oder weiß ist, sie soll die Maus fangen, vom mir aus können sie den Impfstoff auch als Hottentottenimpfstoff bezeichnen, denn wenn die ungarischen Behörden sagen, dieser sei sicher und effektiv, dann werden wir ihn verimpfen. Aber in Westeuropa gibt es etwas, das ist vielleicht noch ein aus der Kolonialzeit übriggebliebenes Überlegenheitsgefühl, dass sie beweisen wollen, sie können dieses Problem auch allein aus eigener Kraft besser lösen, sie können diese Sorge besser niederringen als die anderen Teile der Welt. Doch befinden wir uns nicht mehr in der kolonialen Zeit, dieses Überlegenheitsgefühl entbehrt jedweder Grundlage, wenn diese Krise vorbei sein wird, werden wir sehen, dass etwa 70 Prozent der Welt mit aus den Osten kommenden Impfstoffen geimpft worden sind, und der Westen kann höchstens 30 Prozent davon leisten. Wir leben in anderen Zeiten, die Weltwirtschaft geht in eine andere Richtung, die Wissenschaft geht in eine andere Richtung, die großen wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Potenziale werden anderswo verwirklicht. Es ist also auch für uns besser, wenn wir wissen, dass es – ohne die Aufgabe unserer westlichen Identität – gut ist, wenn wir uns an diese Situation anpassen, und der Impfstoffankauf der ungarischen Regierung, der sich sowohl den Russen als auch den Chinesen gegenüber offen zeigte, war meiner Ansicht nach adäquat, entspricht diesem neuen Zeitalter, in dem wir unsere kommenden Jahre dann leben werden. Wenn Sie erlauben, öffne ich die Klammern für eine Anmerkung: Vor ein-zwei Tagen habe ich in den Geheimdienstberichten eine Analyse darüber gesehen, dass die Briten vor einigen Tagen ihre für die kommenden zehn Jahre gültige Strategie der britischen Nationalsicherheit veröffentlicht haben. Traditionell sind die Briten in Wissenschaften solchen Typs klug, sie fertigen gute Analysen an, und auch sie bereiten sich darauf vor, dass sich dieser Prozess, der begonnen hat, also dass die Weltwirtschaft und das Kraftzentrum der Welt sich vom Westen in östliche Richtung verschiebt, in den kommenden zehn Jahren fortsetzen wird, und daran müssen sie sich anpassen, hierauf müssen sie eine Antwort finden. Sie verfügen also über eine sehr ähnliche Bewertung der Zukunft wie wir. Wenn ich das in die Sprache der Impfstoffe übersetze, dann ist es ganz einfach eine Dummheit, sich aus politischen, aus ideologischen Gründen oder einem sich in alte Zeiten zurückerstreckenden Überlegenheitsgefühl vor den östlichen Impfstoffen zu verschließen. Das ist jetzt nicht die Zeit für Hochmut, das ist die Zeit der Sanftmut, jetzt muss man helfen, jetzt muss man impfen, ganz gleich, was wir früher über unsere Konkurrenten und was wir über uns selbst gedacht haben, jetzt müssen Menschenleben gerettet werden, das erfordert eine andere Annäherungsweise. Es ist also deshalb so, dass sich Ungarn jetzt eine Phase vor den westlichen Ländern befindet, weil wir mehr Impfstoff haben, wir mehr Menschen impfen können.

Interessant, trotzdem versucht die Opposition in unserem Land immer so zu denken, wie das die westliche Elite erwartet, wie sie das möchte. Nur sehen wir und vielleicht merkt ein jeder den Widerspruch, der zum Beispiel zwischen dem besteht, dass sie sagen, die Menschen sollten sich nicht mit dem Impfstoff aus dem Osten impfen lassen, während die WHO die Effektivität und die Wirkung der beiden östlichen Impfstoffe anerkennt, und in der Zwischenzeit hat zum Beispiel ein in einer kommunalen Selbstverwaltung als Abgeordneter tätiges Mitglied der DK, der 71 Jahre alt war, vermutlich die Impfung zurückgewiesen, hat die Krankheit bekommen und ist auch an ihr gestorben.

Also wenn wir uns jetzt die konkrete Angelegenheit betrachten, dann sage ich, die gegen die Impfung gerichtete Kampagne ist – verzeihen Sie mir, dass ich am Karfreitag einen derart starken Ausdruck gebrauche – eine Sünde. Denn der, den sie davon abbringen, sich impfen zu lassen, der kann sterben, und es sterben auch Menschen, die auf die Linke hören. Dafür muss jemand vor seinem Gewissen ins Reine kommen. Ich bitte also einen jeden, wenn er keine Impfung möchte, was wir verstehen können, denn nicht ein jeder denkt auf die gleiche Weise über die Welt, und er will nicht geimpft werden und wir respektieren dies, so soll er jene Trennlinie nicht überschreiten, auch noch andere Menschen davon überzeugen zu wollen, dass diese sich nicht impfen lassen sollen. Das ist ein großes Problem, und es ist dort sicherlich eine Heuchelei, wenn jene, die die gegen die Impfung gerichtete Kampagne politisch führen, sich im Stillen oder öffentlich – je nach dem – impfen lassen. Also andere davon abbringen, da sie sich davon einen politischen Nutzen erhoffen, und sich selbst lassen sie zugleich impfen. Diese Erscheinung ist also hier mit uns, aber ich habe den Eindruck, das gute Gefühl der Menschen fegt dies beiseite, also sind diese Versuche, aus Machtüberlegungen heraus den Menschen die Impfung auszureden, damit dann weniger Menschen sich impfen lassen, so auf diese Weise mehr Menschen sterben, dann die Probleme größer sein werden, was die Regierung schwächt, und dann kann man wieder an die Macht kommen, denn die Linke denkt auf diese Weise, diese Annäherung hat das allgemeine Empfinden der Menschen hinweggefegt, das ist ganz einfach moralisch nicht haltbar, das sehe ich an der Stimmung der Öffentlichkeit. Jedoch die hinter dieser Frage sich erstreckende Erscheinung, dass es in Ungarn eine politische Kraft gibt, die normalerweise links ist, die sich ständig auf irgendetwas stützen will, der es nicht ausreichend ist, Ungar zu sein, der die eigene, tausendjährige Geschichte nicht ausreicht, das Wissen, über das wir verfügen, nicht ausreicht, die Kraft, die wir aufweisen können, nicht ausreicht, denn sie will sich immer auf irgendetwas stützen, mal auf Moskau, mal auf den Westen, und will sich zusammen mit ihm bewegen und erhofft von dort, dass man unsere Probleme hier zu Hause löst, diese politische Tradition existiert in Ungarn. Auch jetzt. Es gab sie immer, sie ist auch jetzt anwesend. Ich gehöre einer anderen Welt an, ich vertraue uns selbst, ich vertraue den Ungarn. Ich denke, wenn es große Probleme gibt, können wir auf niemanden rechnen, nur auf uns selbst. Deshalb lohnt es sich dann mit allen ein vernünftiges, kluges Verhältnis zu etablieren, doch darf man von niemandem erwarten, dass er dann seine Entscheidungen auf Grund der Gesichtspunkte der Ungarn treffen wird. Nein, ein jeder verfährt aufgrund seiner eigenen Gesichtspunkte, das ist die Ordnung der Welt. Die Ungarn müssen in dieser Welt bestehen können. Deshalb empfehle ich nicht, nach rechts oder nach links der einen oder der anderen Kraftgruppierung der Welt zu folgen, sondern wir, Ungarn, sollten unsere eigene Welt verteidigen, sei es gegen das Virus oder die Migranten oder vor wirtschaftlichen Problemen. Schützen wir unsere Welt und richten wir sie so ein, wie das unserer Denkweise entspricht. Eine Welt, in der wir uns wohl und heimisch fühlen, und jeden, der uns etwas aufzwingen will, was uns fremd ist, was uns nicht guttut, was unseren Interessen entgegengesetzt ist, ganz gleich, ob aus dem Osten oder dem Westen, müssen wir abwehren. Ganz gleich, ob Moskau, Brüssel, Berlin oder Washington, das ist ganz egal. Die ungarische Welt müssen die Ungarn einrichten und entsprechend ihrer eigenen Natur errichten. Ich stehe auf dieser Grundlage, dies nennen wir eine auf nationaler Grundlage stehende Politik. Deshalb machen wir eine nationale Politik. Die Internationalisten verfolgen mal eine auf der Seite Moskaus und ein anderes Mal eine auf Seiten Brüssels stehende Politik. Diese beiden Richtungen waren immer schon in der ungarischen Politik anwesend, wir könnten auch hunderte von Jahren zurückgehen. Ihre Rivalität entscheidet, wie gerade das Land ist und was für ein Leben es in Ungarn gibt. Das ist auch jetzt so, so wird es auch in der Zukunft sein, und die Wähler werden auch diesen Gesichtspunkt abwägen müssen, wenn sie alle vier Jahre über die Zukunft des Landes entscheiden.

Halten Sie eine Situation für möglich, in der, sagen wir, eine große Masse von Impfstoff hier sein wird, aber es wird niemanden geben, den man impfen könnte, da – sagen wir die Zahl der Registrierten bei 3 Millionen 700 tausend steht?

Die Frage beschäftigt auch mich. Die Zahl der Registrierten steht bei 3 Millionen 700 tausend, wie Sie das auch gesagt haben. Doch ist es sehr wichtig zu wissen, dass die Menschen über 65 Jahren, die ich immer vollkommen getrennt behandle, denn sie befinden sich wegen des Virus in unmittelbarer Lebensgefahr, also der Anteil der über 65 Jährigen an den Registrierten ist in dieser Altersgruppe höher als im Allgemeinen. Und von denen, die sich registriert haben, haben wir bereits auch schon 81 Prozent geimpft. Also gibt es heute, obwohl das eine hohe Zahl ist, aber ich meine, im Vergleich zu früher nur 250 tausend Menschen im Alter von über 65 Jahren, die sich registriert und die Impfung noch nicht erhalten haben – und sie werden sie in den kommenden Tagen erhalten. Wenn es also der liebe Gott zulässt und wir leben und er hilft uns, dann werde ich Ihnen, wenn wir uns das nächste Mal hier treffen dürfen, sagen können, alle ungarischen Menschen über 65 Jahren, die sich registriert haben und impfen lassen wollten, haben die Impfung auch erhalten. Dann haben wir übrigens immer noch eine Reihe von Landsleuten über 65 Jahren, die ich auch mit Hilfe dieser Sendung jede Woche zu überzeugen versuche, sich impfen zu lassen, so wie das die große Mehrheit ihrer Altersklasse getan hat. Denn wenn sie sich nicht impfen lassen, dann kommen wir zwar vergebens in der Altersklasse der Jüngeren voran, sie bleiben noch in Lebensgefahr. Wir müssen also noch eine Kampagne durchführen, damit sich auch die über 65 Jährigen registrieren, die dies bisher nicht getan haben. Jene aber, die sich registriert haben, die werden meiner Ansicht nach bis zum nächsten Interview am Freitag geimpft worden sein. Nun, wie sind wir an diesen Punkt gelangt? Wir sind ja auf die Weise hierhergelangt, dass die Zahl der Registrierten 3 Millionen 700 tausend beträgt. Auch mich beschäftigt es, ob es theoretisch einen Punkt geben kann – denn unsere Impfstoffbesorgungen gehen jetzt sehr gut voran –, an dem wir über mehr Impfstoff verfügen, als sich Menschen registriert haben. Hier müssen wir zwei Fragen lösen. Die eine ist, für die ich dem Operativen Stab eine Woche gegeben habe, um eine klare Antwort auf die Frage zu geben, ob man die Jugendlichen zwischen 16 und 18 Jahren impfen kann oder nicht. Jetzt sagt man im Westen schon, es ginge. Nicht mit jedem Impfstoff, aber zum Beispiel mit Pfizer geht es. Ich erwarte also die Zusammenfassung dieser wissenschaftlichen Diskussionen innerhalb einer Woche, damit wir entscheiden können, ob man von unseren Mittelschülern jene impfen darf, die älter als 16 Jahre sind. Die andere Sache ist die, dass wenn wir irgendwie die 3-3,5 Millionen erreichen und es gelingt, die Zahl der Todesfälle zu bremsen und auch die Zahl der Infektionen beginnt abzunehmen – dies nenne ich das „Umkippen“ –, von da an können wir jenen Erleichterungen anbieten, die über einen Impfpass verfügen, der bestätigt, dass sie geimpft worden sind oder die Infektion durchgemacht haben. Dann wird man für sie die Hotels öffnen können, man kann das kulturelle Leben starten. Jetzt ist es noch verfrüht, darüber zu reden, wenn wir die 3-3,5 Millionen erreicht haben werden, wird man hierauf zurückkehren müssen. Aber wenn die Menschen sehen, dass bestimmte Dienstleistungen, bestimmte zum glücklichen Gemeinschaftsleben notwendige Möglichkeiten mit der Geschütztheit und der Bestätigung der Geschütztheit verbunden werden, dann wird die Zahl der Registrierten meiner Ansicht nach einen Schub erhalten, dann werden mehr Menschen das Gefühl haben, es lohne sich, sich impfen zu lassen, und dann wird die Situation nicht entstehen, dass wir mehr Impfstoff besitzen, als wir registriert haben. Das ist meine Kalkulation. In bin jetzt ein bisschen einige Wochen vorausgeeilt, aber ich meine, dieser Prozess wird sich dann in den kommenden Wochen abspielen.

Ein medizinischer Sachverständiger der Opposition sagte, was müsse man denn sich hier mit der Freiwilligkeit herumschlagen, machen sie bitte die Impfung zur Pflicht, und dann wird die Situation gelöst sein. Wie gefällt Ihnen dies?

Rein faktisch ist die Aussage richtig, doch leben wir nicht in einer Diktatur. Das ist also eine Demokratie. Ja, was noch viel wichtiger als das ist: Dies ist eine freie Welt. Die Demokratie ist nur eine Regierungsform und eine Wahl, wir brauchen mehr als das, wir brauchen Freiheit. Hinzu kommt, dass die Ungarn – wie ich meine Landsleute kenne – in dieser Frage, der ihrer Heimat, besonders empfindlich sind. My home is my castle. Ein jeder hat im Übrigen eine bessere Idee als das, was die Behörden oder die Zuständigen sich auszudenken pflegen. Und es sind im Allgemeinen viele, die es besser als die Regierung wissen, was gerade gemacht werden müsste. Das steckt in unserer Genetik, das geht mit dem ungarischen Blut einher. So sind wir also, wir lieben die Freiheit, und selbst wenn wir über etwas denken, es sei gut, dabei aber das Gefühl haben, man will uns dazu zwingen, dann leisten wir sofort Widerstand. Meiner Ansicht nach ist also in Ungarn deshalb die obligatorische Impfung im Fall des Virus bei den Erwachsenen kein gangbarer Weg. Ich kann mir so eine Situation vorstellen, denn es gibt ja in der Kindheit obligatorische Impfungen, die verabreicht werden müssen. Aber erwachsenen Menschen in Ungarn in der Angelegenheit des Coronavirus die verpflichtende Impfung vorzuschreiben, das funktioniert meiner Ansicht nach in Ungarn nicht.

Auch die westliche Presse hat Ihr gestriges Treffen mit Salvini und Morawiecki verfolgt. Analysten sagen, es könne hier im Fall der drei Staaten Punkte geben, an denen man miteinander zusammenstößt. Sagen wir im Fall von Polen das Verhältnis zu Russland und im Fall der Italiener der Umstand, dass die Italiener die Migranten verteilen möchten, die sich bereits innerhalb der Grenzen der Europäischen Union befinden, nicht wahr, und Ungarn sagt ja seit dem Anbeginn, vielen Dank, wir wollen das nicht. Können dies tatsächlich Punkte des Zusammenstoßes sein oder muss man andere Gesichtspunkte beachten?

In der Tat gab es gestern ein Gipfeltreffen, auf dem wir uns mit der Zukunft Europas beschäftigt haben. Der polnische Ministerpräsident war hier und der Vorsitzende der größten italienischen Regierungspartei, Matteo Salvini, den wir immer als unseren Helden ansehen, denn er war es, der als Innenminister bewiesen hatte, dass man die Migration auch an den Meeresgrenzen aufhalten kann und nicht nur auf dem Festland, wo das die Ungarn bewiesen haben. Die Italiener bzw. Herr Vorsitzender Salvini haben bewiesen, dass man auch die Migration auf dem Meer aufhalten kann, deshalb gebührt ihm besonderer Respekt.

Er steht ja jetzt auch vor Gericht.

Er besucht das Gericht. Im Übrigen traut man meistens seinen eigenen Augen nicht, dass man einen Menschen, der seine Heimat geschützt, Risiko auf sich genommen, verhindert hat, dass illegal sein Land betreten wird – als Innenminister ist das seine Pflicht –, danach vor Gericht stellen kann. In Europa herrschen heute solche Zustände. Nun, dieses Treffen ist abgehalten worden. Wir haben über sehr viele Dinge gesprochen. Der wichtigste Grund für dieses Treffen war, dass wir das Gefühl haben, die früheren traditionell christdemokratischen, rechten Parteien, in erster Linie die Europäische Volkspartei hat sich langfristig zu einer Zusammenarbeit mit der Linken verpflichtet. Und sie hat sich auf die Weise dazu verpflichtet, indem sie die traditionell christdemokratischen Werte aufgibt. Sie hat diesen LMBTQ-Wahnsinn akzeptiert, sie schätzt die nationale Souveränität gering, stellt sich ein föderales Europa mit einem egy Brüsseler Zentrum vor, und nicht das Europa der Nationen. Sie will den Kontinent nicht gegenüber der Migration verteidigen, weil sie glaubt, die Migration sei eine gute Sache, nur die illegale Migration sei schlecht. Die Situation ist also die, dass sich die Zusammenarbeit der rechten und linken Seite in Wirklichkeit durch die Akzeptierung des Programms der Linken verwirklicht hat. Und dann bleiben hier viele zehn oder hundert Millionen europäische Menschen, denen die Familie auch weiterhin wichtig ist – so wie wir sie kennen: Mann und Frau, die ein Kind möchten und die ein Kind erziehen möchten –, die Heimat wichtig ist, das Christentum wichtig ist. Wir wollen keine Reichsuntertanen sein, wir wollen den eigenen Nationalstaat. Wir wollen keinen Kommunismus, wollen keine Zensur, auch wenn man sie vergebens „politische Korrektheit“ nennt, bleibt sie dennoch Zensur. Hier sind wir also viele Millionen, und wir haben das Gefühl, dass diese Entwicklungen, diese politischen Entwicklungen uns ohne Vertretung gelassen haben. Deshalb hat auch der Fidesz die Europäische Volkspartei verlassen. Jetzt verbünden wir uns miteinander zu dem Zweck, damit jene, die so denken, dass die Heimat, die Nation, die Familie, das Christentum wichtig und die Freiheit sowie die Menschenwürde notwendig sind, also auch wir eine Vertretung haben. Diese errichten wir jetzt. Natürlich kann es Unterschiede in den Meinungen geben, aber in den großen Angelegenheiten können wir diese auflösen. So stimmen zum Beispiel darin auch die Italiener mit den Polen überein – auch ich teile diesen Standpunkt –, dass die baltischen Staaten und Polen legitime Sicherheitsgarantien benötigen, sagen wir, gegenüber Russland. Diese muss man ihnen geben. Bei der Migration verstehen die Italiener, dass es nicht die Aufgabe ist, die Migranten hereinzulassen und zu verteilen, sondern sie wieder nach Hause zu bringen. Wir sollen sie nicht hereinlassen, und die hereingekommen sind, die sollen wir wieder nach Hause bringen. Man muss sie nicht unter uns verteilen, sondern wieder nach Hause bringen, ihnen darin helfen, dass es etwas gibt, wohin sie nach Hause zurückkehren können. In diesen Fragen mit großer Perspektive haben wir also gestern die Übereinstimmung hergestellt. Soweit ich das sehe, wird es einer der bestimmenden Prozesse der europäischen Politik des kommenden halben Jahres sein, wie wir diese neue christdemokratische Rechte aufbauen werden.

Wir haben das Gespräch mit Ostern begonnen, beenden wir es jetzt auch damit. Ostern bedeutet für die Familien über das Fest hinaus auch Erholung. Aber sehr viele werden die ganze Zeit während des Festes arbeiten. Die Ärzte, die Impfärzte, die Mitarbeiter der Rettung, in den Krankenhäusern werden die Fachleute ohne Ruhepause arbeiten. Wann werden sie sich ausruhen?

Zunächst einmal beobachtet das ganze Land den heldenhaften Kampf, den unsere Ärzte und unsere Pfleger in den Krankenhäusern und unsere Hausärzte in ihren Praxen führen. Der Ungar mag die pathetische Art zu reden nicht besonders, doch kann ich es mir an dieser Stelle vielleicht erlauben, zu sagen: Sie sind unsere Helden, die dabei helfen, dass viele Millionen Menschen dem großen Übel entkommen, das diese Krankheit, die daraus resultierenden Komplikationen, eventuell der damit verbundene Tod bedeuten. Es ist also Ostern, aber meiner Ansicht nach werden unsere Gedanken an diesem Wochenende häufig bei den Ärzten und den Krankenschwestern sein. Auch wir arbeiten übrigens, also wir impfen, wir impfen am ganzen Wochenende, und auch wir, die wir die Verteidigung leiten, arbeiten. Ich bin gerade jetzt mit dem Herrn Innenminister darüber übereingekommen, wie wir jeden Tag die Verteidigung kontrollieren und leiten sowie unterstützen werden. Das ist jetzt so ein Ostern. Es gibt jene, von denen es Anstrengungen, zusätzliche Anstrengungen erfordert, zollen wir ihnen Respekt, erkennen wir ihre Arbeit an, reden wir nicht gegen die Impfung, sprechen wir nicht vom Zusammenbruch des ungarischen Gesundheitswesens, denn damit qualifizieren wir die Arbeit unserer Ärzte und der Pfleger ab, die es nicht zulassen, dass das ungarische Gesundheitswesen zusammenbricht. Sie tragen dieses Gesundheitswesen auf ihrem Rücken und sie schützen uns. Und dann ist natürlich auch Karfreitag, das ist der Tag der eintretenden Ruhe, doch am Sonntagmorgen, so wie die Sonne aufgeht, kommt die Auferstehung, und dann können wir daran denken, selbst inmitten der gegenwärtigen Probleme, dass es eine Auferstehung geben wird, eine ungarische Auferstehung, und deshalb wünsche ich allen Zuhörern ein schönes Osterfest und eine glückliche Auferstehung! Wir sind auf dem Weg zur Freiheit.

Vielen Dank! Sie hörten Ministerpräsident Viktor Orbán.